Finger weg von Beruhigungsmitteln im freien Gelände!!

Vielfach hört man die Aussage, kann ich nicht ein Beruhigungsmittel ins Futter oder Ähnliches geben? NEIN, das können Sie nicht, denn Sie wissen nie genau

  1. wie schwer Ihr Hund ist und
  2. ob ausschließlich Ihr auf der Flucht lebender Hund dieses Beruhigungsmittel frisst oder eventuell andere Tiere
  3. ob Ihr auf der Flucht lebender Hund auch die gesamte Menge aufgenommen hat.
  4. Ein Beruhigungsmittel den in Flucht lebenden Hund nicht wirklich beruhigt, denn der Adrenalin- u. Cortisolspiegel ist enorm hoch
  5. Ein Beruhigungsmittel kein Betäubungsmittel ist
  6. Sollte das Beruhigungsmittel doch irgendwie vom Hund aufgenommen worden sein, dann sind seine Reaktionen herabgesetzt, d.h., auch bei der Wahrnehmung von Gefahren ist seine Reaktionsfähigkeit und Wahrnehmungskraft eingeschränkt, auf Deutsch heißt dies, war der Hund bisher im Straßenverkehr unauffällig, wurde dort ggfs. gar nicht gesehen, so kann es nun aufgrund des Beruhigungsmittels passieren, dass er diese Achtsamkeit nicht mehr besitzt. Sie setzen damit das Leben des Hundes und das Ihrer Mitmenschen sowie sämtlicher Wildtiere aufs Spiel.
  7. Andere Tiere sogar durch das Beruhigungsmittel für den Hund getötet werden können (ist dann leider eine Straftat)
  8. Das Beruhigungsmittel genau entgegengesetzt wirkt, nämlich den Hund aufputscht
  9. Sollte das Beruhigungsmittel doch irgendwann wirken, so würden Sie den Hund eh nicht finden können, da er sich mit absoluter Sicherheit extremst verkrochen hat
  10. Der Suchhund den benommenen Hund zu 90% aufscheuchen würde. Die meisten Suchhunde sind darauf ausgebildet, dass zu suchende Objekt – bei der Menschensuche sogar durch direkte Kontaktaufnahme – anzuzeigen. Dies alles würde „der beruhigte“ Hund sehr wohl wahrnehmen (er ist ja lediglich sediert und nicht narkotisiert) und umgehend die Flucht antreten (aus des entlaufenen Hundes Sicht zeigt der Suchhund an: "ich komme da und will den Platz". Der scheue Hund wird also sofort laufen gehen und zu 99,9% dies schon tun, wenn Sie noch 500m oder 1km entfernt sind). Es gibt einige wenige Suchhunde, die sind darauf trainiert andere Hunde zustellen - ist ähnlich anzusehen, wie das eigenständige Hüten einer Herde -. 
  11. Auch wenn Sie denken, wenn der Hund aber nun mal benommen ist beim Tierarzt, dann kann er nicht laufen – dies ist so wohl richtig, ABER ihr Hund lebt im Augenblick draußen, alleine auf sich gestellt und würde umgehend flüchten, egal wie benommen er vom Beruhigungsmittel sein würde und er wird immer schneller sein als Sie, selbst wenn er schon fast nicht mehr kann und sich immer wieder mal hinlegt, werden Sie ihn nicht zu greifen kriegen bei Verfolgungsjagden, denn sein Adrenalin- und Cortisolspiegel wird rasend in die Höhe gehen und ihm jede Flucht ermöglichen. Sie erreichen damit lediglich, dass er zukünftig dieses Gebiet meiden wird, vielleicht noch einmal dort erscheint, danach aber sicherlich nicht mehr.
  12. Sie denken nun, o.k., ich beobachte, wann der Hund frisst, verfolge ihn vorsichtig mit dem Auto, warte 1 Stunde bis dass das Beruhigungsmittel wirkt, dann greif ich ihn mir. Irrtum, der Hund wird merken, dass er mit dem Auto verfolgt wird, und das Beruhigungsmittel wird erst mal gar nicht mehr wirken (siehe oben Adrenalin- u. Cortisolspiegel). Oder aber, wenn er das Auto nicht bemerkt, und sich tatsächlich hinlegen sollte, er bemerkt Sie lange Zeit, bevor Sie überhaupt an seinem Schlafplatz sind und wird wiederum flüchten. Spät in der Nacht, wenn der Hund dann endlich mal zur Ruhe kam (weil keiner ihn mehr verfolgte u. die Halbwertzeit der Sedativa relativ lang ist, bei Sedalin z.B. 8-12 Stunden), dann wird das Beruhigungsmittel (eventuell auch erst am nächsten Tag wenn das Adrenalin u. Cortisol etwas abgesunken wird) wirken, aber dann sind Sie nicht vor Ort und haben keinen Schimmer wo der Hund steckt. Vor allem im Winter können solche Beruhigungsmittelaktionen fatale Folgen haben. Hund ist nicht ganz klar bei Verstand und legt sich relativ ungeschützt schlafen (vergleichbar mit einem Volltrunkenen). Somit sind dann Erkältungen oder gar Schlimmeres (abhängig von den Außentemperaturen) vorprogrammiert. 

 

Nachtrag Januar 2014: 

 Auch von dem chemischen Mittel Relaxan ist Abstand zu nehmen. Relaxan hat als Inhaltsstoff eine Aminosäure, nämlich Tryptophan und ist keinesfalls als „ähnlich wie Baldrian“ anzusehen.

Baldrian ist ein Alkaloid und enthält vor allem ätherische Öle, die also komplett anders wirken als Aminosäuren; insbesondere eben anders als es das Tryptophan tut.

Tryptophan ist eine Vorstufe/Komponente zu Serotonin. Serotonin ist ein Neurotransmitter und wirkt auf das zentrale und periphere Nervensystem. Heißt also, der Neurotransmitter ist ein Botenstoff der Reize weiterleitet u.v.m. (Quellen: 1, 2, 3)

Durch dieses nun zusätzlich produzierte Serotonin, kann es dazu kommen, dass der Hund insgesamt sinngemäß mutiger wird, ohne jedoch die entsprechenden Erfahrungswerte zu besitzen. Durch die vorher bestehende Unsicherheit manchen Dingen gegenüber, hielt er einen gewissen Abstand zu ihm gefährlich werdenden Objekten. Diese natürliche und sinnvolle Angst wird mit dem Medikament Relaxan unterdrückt und es kann dazu kommen, dass der Hund nun Dinge tut, z.B. auf der Hauptstraße laufen, welche er vorher nie getan hätte. Dem folgend, ist die Verabreichung von Relaxan ebenfalls kontraindiziert und sträflicher Leichtsinn innerhalb offenen Geländes.

Des Weiteren kann es problematisch werden, wenn der Hund einen MDR1-Gen-Defekt besitzt. Dies wird dann zum Problem, wenn zeitgleich zum Relaxan oder kurz danach ein weiteres Serotonin-anstoßendes/aufbauendes Medikament gegeben wird (z.B. Antidepressiva). (Quelle: Telefonat mit der Uni Gießen *4).

 

 

Also Fakt ist: Finger weg von Beruhigungsmitteln im freien Gelände!! Sie gefährden damit nicht nur das Leben Ihres Hundes sondern ebenfalls das Leben aller in der Gegend ansässigen Wildtiere!!!!! und bei noch größerem Pech, das Leben Ihrer Mitmenschen! 

  

1. http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=43232

 

2. http://flexikon.doccheck.com/de/Neurotransmitter

 

3. http://dasgehirn.info/entdecken/kommunikation-der-zellen/neurotransmitter-2013-botenmolekuele-im-gehirn-5880/

 

4. http://www.vetmed.uni-giessen.de/pharmtox/mdr1_defekt.php

 

 

Als PDF zum Downloaden hier: http://www.find-mich-fix.de/newsletter/sedativa_beruhigungsmittel.pdf

  

 

Mit  freundlicher Erlaubnis von  Maria Bader, http://www.find-mich-fix.de

 

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